Der Rüschhausgarten in Münster im Wandel der Zeit
Tauchen Sie ein in die Geschichte der Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff und erfahren Sie mehr über ihre Liebe zu Pflanzen und Blumen sowie über die verschiedenen Epochen des Rüschhausgartens, der ursprünglich von Stararchitekt Johann Conrad Schlaun entworfen wurde. Bei einer Fachführung erfahren Sie spannende Details zu den Instandsetzungsarbeiten und von den Plänen, den Rüschhausgarten als Ort für bürgerschaftliche Partizipation weiter zu gestalten.
Fachführung: Gehölzentwicklungskonzept an der Ruhr-Universität in Bochum
Datum: Sonntag, 14. Juni 2026
Uhrzeit: 11:00 Uhr-12:30 Uhr
Treffpunkt: Vorplatz Haus Rüschhaus
Referenten: Ehm Eike Ehrig, Landschaftsarchitekt und Kirsten Plathof, Mitarbeiterin Droste Welten
Gebühren: kostenfrei
Der Garten und das Rüschhaus: Eine barocke Sommerresidenz
Der Rüschhausgarten in Münster ist ein faszinierendes Beispiel für die Entwicklung von Gartenkunst und Architektur über die Jahrhunderte. Angelegt von einem der bekanntesten Architekten des 18. Jahrhunderts, Johann Conrad Schlaun, hat dieser Garten viele Veränderungen erlebt und ist heute ein bedeutender Ort der Literaturgeschichte.
Johann Conrad Schlaun war im Westfalen des 18. Jahrhunderts eine wahre „Stararchitekt“ und prägte die Baukultur des Münsterlandes im Spätbarock. In den Jahren 1745 bis 1748 errichtete er sich selbst eine Sommerresidenz am Rand von Münster: das sogenannte Rüschhaus. Das Gebäude wurde im Stil einer barocken, großbäuerlichen Residenz errichtet und sollte nicht nur als Wohnsitz dienen, sondern auch mit einem prachtvollen Garten harmonieren.
Zu jener Zeit war es üblich, dass sowohl das Gebäude als auch die zugehörigen Gärten von einem Architekten entworfen wurden – und so tat es Schlaun auch für das Rüschhaus. Doch leider wurde sein Plan zu seinen Lebzeiten nicht vollständig umgesetzt, und nur Teile des Gartens wurden realisiert. Dennoch sind viele seiner Gartenanlagen im Münsterland dokumentiert oder erhalten geblieben.
Annette von Droste-Hülshoff: Ein neuer Blick auf den Garten
Etwa 80 Jahre nach Schlauns Bau, im Jahr 1826, zog eine weitere prominente Persönlichkeit in das Rüschhaus: Annette von Droste-Hülshoff. Die bekannte Schriftstellerin lebte dort mit ihrer Mutter und Schwester Jenny bis 1846, bevor sie 1848 in Meersburg verstarb. In dieser Zeit erlebte der Garten eine weitere Entwicklung. Die Schwestern von Droste-Hülshoff pflegten den Garten, und er wurde zunehmend als Nutz- und Wohngarten gestaltet. Es gibt jedoch keine bildlichen oder planlichen Quellen, die uns genau zeigen, wie der Garten in dieser Zeit aussah.
Dennoch finden sich in den Schriften der Droste immer wieder Hinweise auf ihre Liebe zu bestimmten Blumen und Pflanzen, die sie im Garten pflegte. Dies zeigt, wie sehr der Garten Teil ihres Lebens und ihrer Kreativität war, auch wenn er nicht „systematisch“ nach einem einheitlichen Gestaltungskonzept entwickelt wurde.
Die Rekonstruktion in den 1980er Jahren
In den 1980er Jahren entschloss man sich, den stark verwilderten Garten nach den barocken Plänen Schlauns zu rekonstruieren. Ziel war es, das Gebäude und den Garten als gestalterische Einheit nach der ursprünglichen Planungsidee Schlauns zu erhalten und erlebbar zu machen. Auf Initiative von Bürger:innen, darunter die Literaturwissenschaftlerin Annelise Raub, flossen auch Einflüsse aus der Droste-Zeit in die Bepflanzung ein. Diese Rekonstruktion repräsentiert nicht nur das historische Original, sondern auch die Denkmalpflege der späten Nachkriegsmoderne.
Instandsetzung und Entwicklung
Nach rund 40 Jahren ist der Rüschhausgarten nun „in die Jahre“ gekommen. Sowohl bauliche als auch vegetative Strukturen müssen überarbeitet und restauriert werden. Das ist auch ein großes Anliegen der Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung, die das Nießbrauchrecht am Rüschhaus besitzt. Gemeinsam mit der Nordrhein-Westfalen-Stiftung als Eigentümerin wurde ein Projekt ins Leben gerufen, um das Werk der berühmten münsterländischen Schriftstellerin und ihre Zeit im Garten des Rüschhauses wieder sichtbarer zu machen.
In einem langen Diskussionsprozess wurden Ideen entwickelt, wie der Garten denkmalgerecht und zugleich museumsgeeignet gestaltet werden kann. Ein wichtiger Aspekt ist auch, das Rüschhaus als Ort der Literaturgeschichte und der Baukultur weiterhin öffentlich zugänglich zu machen. Zudem besteht der Wunsch, den Garten zu einem „Mitmach-Garten“ zu entwickeln – einem Ort für bürgerschaftliche Partizipation, an dem Besucher:innen aktiv mitwirken können.
Die planerische Umsetzung
Die planerische und bauliche Umsetzung dieser Ideen wurde 2024 vom Bielefelder Landschaftsarchitekten Ehm Eike Ehrig übernommen, der von der langjährigen Erfahrung seines Vaters im Bereich der Gartendenkmalpflege profitieren konnte. Ehrig hat mit seiner Planung die Instandsetzungs- und Entwicklungsarbeiten für den Rüschhausgarten vorangetrieben, sodass der Garten nun wieder als ein lebendiges Zeugnis der Geschichte erlebbar wird.
Fazit – Ein Garten im Wandel – sinnlich und partizipativ
Der Rüschhausgarten ist ein faszinierendes Beispiel für die Verbindung von Architektur, Gartenkunst und Literaturgeschichte. Vom barocken Entwurf Schlauns bis hin zu den Entwicklungen durch Annette von Droste-Hülshoff und der Rekonstruktion in den 1980er Jahren hat der Garten viele Veränderungen durchlebt. Heute wird er mit viel Liebe und Engagement gepflegt und weiterentwickelt, um nicht nur ein historisches Denkmal zu erhalten, sondern auch als lebendiger Ort der Literaturgeschichte und des bürgerschaftlichen Engagements zu bestehen.
Anfahrt
Haus Rüschhaus
Am Rüschhaus 81
(Treffpunkt: Vorplatz Haus Rüschhaus)
48161 Münster
Kontakt für Besucher:innen:
garten@burg-huelshoff.de
Tel.: 0157 - 76299644
www.burg-huelshoff.de
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