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Naturhindernisbahn in Castrop-Rauxel

Ein lebendiger Blick in die Vergangenheit kann auf der ehemaligen Naturhindernisbahn in Castrop-Rauxel gewagt werden. Heute in ein vielseitiges Naherholungsgebiet umgewandelt, hat sich das Gelände mit seinen prägenden Strukturen seit der Einstellung des Rennbetriebs im Jahre 1970 kaum verändert. Die Ligusterhecken, die den Rennparcours säumten und jene, die als Hindernisse dienten, blieben seit damals erhalten. Und Wanderwege durchziehen heute das weitläufige Gebiet.

Im Jahr 1997 erkannte die Stadt Castrop-Rauxel die kulturhistorische Bedeutung und den besonderen Wert der Rennbahn als einzigartiges Zeitzeugnis der Stadtgeschichte und erarbeitete ein Entwicklungskonzept für die ehemalige Naturhindernisrennbahn.
Mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen konnten 2004 auf der Grundlage dieses Entwicklungskonzeptes Teilbereiche des ehemaligen Rennbahnareals aufgearbeitet und für die Besucher sichtbar und erlebbar gemacht werden. Der Rennparcours wurde mit seinen natürlichen Hindernissen wiederhergestellt und weiße Pfosten markieren den Verlauf des Rennparcours und den Zieleinlauf. So wird das weitläufige Gelände strukturiert und erlebbar gemacht.
Als wesentliches Element der ehemaligen Rennbahn wurde der Zielrichterturm an seiner ursprünglichen Stelle und in ähnlicher Form, jedoch als Stahlkonstruktion, wiederaufgebaut. Der begehbare Turm bietet einen guten Überblick über das Rennbahngelände und zeigt im Innern eine kleine Dokumentation mit Texten und Bildern zur Geschichte der Rennbahn.

Die rasante industrielle Entwicklung zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte nicht nur zu einer millionenfachen Zuwanderung an Arbeitskräften aus dem Osten. Auch ausländisches Know-how, Kapital und nicht zuletzt ausländisches Unternehmertum bereicherten den wirtschaftlichen Aufstieg der Region an Ruhr und Emscher. Als Beispiel für zugewandertes Unternehmertum ist hier der Ire William Thomas Mulvany zu nennen. Die Gründung der Bergwerksgesellschaft Hibernia (lateinisch: Irland), der Zeche Shamrock (englisch: Kleeblatt, gleichzeitig das irische Wappenzeichen) und der Zeche Erin (gälisch: Irland) gehen auf das Wirken von Mulvany zurück. Neben diesen Namensdenkmalen hinterließ Mulvany dem Ruhrgebiet eine weitere Besonderheit an seiner Wirkungsstätte Castrop: die Pferderennbahn mit einem Naturhindernisparcours.
Die bisherigen landschaftlichen Flachrennen sollten in ein sportlich ausgerichtetes Hindernisrennen umgewandelt werden. Dafür wurde das hügelige Wiesengelände um Haus Goldschmieding vom Rennreiter, Trainer und Verwalter des Hauses Goldschmieding, James Toole, nach englischem Vorbild in eine einzigartige Naturhindernisrennbahn umgestaltet. Mulvany hatte Gut und Herrenhaus Goldschmieding 1872 als Sommersitz für sich und seine Familie erworben.
Am 31. Juli 1875 fand das erste, mit 2900 Mark Preisgeld dotierte Rennen auf der neuen Bahn statt. Der Parcours verlief in einem großen Kreis um Haus Goldschmieding, das bis 1914 Mittelpunkt der Castroper Rennbahn war: von der Höhe der Cottenburger Schlucht herab durch die Breite der Tolkeruh über Gräben, Wälle und Hecken den Schellenberg hinauf, hinter Haus Goldschmieding wieder hinunter, am Waldrand entlang und wieder zur Cottenburg hinauf.
1914 wurden die letzten Rennen vor dem Ersten Weltkrieg gelaufen; erst 1928 wurde der Rennbetrieb in Form von Reit- und Fahrturnieren fortgesetzt. 1938 wurde die Rennbahn von  Graf L. von Schmettow und Magistratsbaurat a. D. Maibaum aus Berlin umgestaltet. Das hügelige, auf und niederführende Gelände eignete sich hervorragend für einen Hindernisparcours. Er umfasste insgesamt 17 Hindernisse, darunter eine Jagdbahn, eine Querfeldeinbahn mit Naturhindernissen aus Ligusterhecken und  Wassergräben und eine Flachbahn ohne Hindernisse. 1939 fand nochmals ein Renntag statt, bevor der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erneut zur Einstellung des Rennbetriebes führte. Danach kam der Rennbetrieb nicht mehr richtig in Gang: Bis 1951 kamen jährlich nur noch drei Rennen zustande, endgültig eingestellt wurde der Rennbetrieb dann 1970.

Quelle: Wolfgang Gaida, Helmut Grothe, 2010: Barocke Pracht, Bürgerstolz und Orte des Wandels – Gärten und Parks im Ruhrgebiet, Essen

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