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Steinfurter Bagno

Das Steinfurter Bagno ist eine der eigenartigsten Schöpfungen der Gartenkunst in Nordrhein-Westfalen. Die weitläufige Anlage im Südosten des Wasserschlosses der Fürsten von Bentheim-Steinfurt erhielt ihren Namen von einem Badehäuschen – italienisch „il bagno“. Besucher aus ganz Europa kamen in der Blütezeit des Bagnos zwischen 1765 bis 1820 in Scharen, um die Bauten und Sehenswürdigkeiten zu bestaunen: griechische und römische Tempel, eine türkische Moschee, orientalische und chinesische Miniaturbauten, Brücken und landschaftlich gestaltete Anlagen. Feste, Konzerte, Unterhaltungsspiele, Theateraufführungen, Feuerwerke und auch Bootsfahrten auf dem See fanden statt. Das Bagno kann somit als Vorläufer der heutigen Vergnügungsparks gesehen werden.

An den Glanz der vergangenen Tage wird heute wieder angeknüpft. Die berühmte Konzertgalerie im Park wurde prachtvoll restauriert, die Große Allee wurde 2003 mit Linden- und Kastanienbäumen neu gepflanzt und die Neuinterpretation der barocken Parkgestaltung lässt zumindest die einstige Bedeutung des 50 Hektar großen Parks heute wieder erahnen. Das Bagnoquadrat lädt mit seiner modernen Gestaltung die Besucher zum Verweilen und Spielen oder – wie damals – zu einer Bootsfahrt auf dem Bagnosee ein.

Die Geschichte des Bagnos beginnt 1765 mit der Gestaltung einer großzügigen Barockanlage durch Graf Karl. In einiger Entfernung zum Schloss ließ er eine Sommerresidenz mit einem geometrischen Garten, einem Lustschlösschen und einem Badehaus anlegen. Die Große Allee wurde zu einer ein Kilometer langen Achse durch den Park.

Mitten im Wald entstand so die barocke Anlage des sogenannten Bagnoquadrats. Der geometrische Garten war mit Heckengängen, Blumengärten, einer Kaskade und Volieren ausgestattet. Bis auf wenige alte Bäume hat sich das Bagnoquadrat kaum erhalten. 2004 wurde es aber in seiner historischen Grundform als Quadrat mit modernen Materialien neu gestaltet.
Die Konzertgalerie am Endpunkt der Großen Allee, die 1774 vollendet wurde, ist das älteste erhaltene Gebäude im Bagno und gilt als der erste freistehende Konzertsaal auf dem europäischen Kontinent. Seit 1997 erwecken Konzerte mit Künstlern von Weltruf die umfassend rekonstruierte Konzertgalerie wieder zu neuem Leben.

Eine besondere Attraktion im Park war die große Fontäne, die seinerzeit größte in Westfalen. Als Zeugnis dieser technischen Meisterleistungen sind noch heute die Reste des Fontänenteiches im Wald erkennbar. Der Bau dieser Anlage fiel bereits in die Verantwortung von Graf Ludwig, der 1780 die Grafschaft von seinem Vater übernahm. Mit dem Generationswechsel kam es auch zu größeren Veränderungen im Park.
Ludwig widmete sich besonders dem Ausbau des Bagnosees, in dessen Zuge auch die fünf Inseln ihre endgültige Form erhielten. Auf der Ruineninsel und der Rotundeninsel errichtete man weithin sichtbare Bauwerke. Die Roseninsel und die Blumeninsel waren ausschließlich gärtnerisch gestaltet. Auf der Arioninsel wurde ein Berg modelliert, von dem sich eine mehrstufige Wasserkaskade ergoss. Um auf die Arioninsel zu gelangen, mussten die Besucher den Weg über die Ketten- und die Knüppelbrücke nehmen. Beide Brücken haben sich bis heute erhalten.
Der ursprüngliche Park wurde so mit der Zeit in großen Teilen durch den landschaftlichen Gartenstil überprägt. Diese Mischung, typisch für das Rokoko, wird als „Jardin Anglais, Français, Chinois“ bezeichnet.

1806 begann der Niedergang des Steinfurter Bagnos: Die Grafschaft war von napoleonischen Truppen besetzt, Graf Ludwig weilte lange Zeit in Frankreich und die Grafschaft Steinfurt ging an Preußen. Ludwig kehrte erst 1817 nach Steinfurt zurück und verstarb noch im selben Jahr. Da sich die wirtschaftlichen Verhältnisse grundlegend veränderten, war an eine Unterhaltung des Parks nicht mehr zu denken. 1820 begann der Abbruch der Bauwerke und der Park wurde in der nachfolgenden Zeit hauptsächlich forstwirtschaftlich genutzt.

Erst mit der Aufnahme des Spielbetriebes des Golfclubs Münsterland im Jahre 1952 fand wieder eine raumgreifende Nutzung des Bagnos statt. Nahezu alle Wiesenflächen des Parks nutzt heute der Golfclub.

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