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Parkfriedhof und Kurpark in Werl

Der Kurpark

„Erbsälzerstraße“, „Zum Salzbach“, „Salinenring“ ­– die Straßennamen in der Nähe des Kurparks machen deutlich, wie eng seine Entstehung mit der Salzgewinnung verbunden ist. Das „weiße Gold“ und dessen Gewinnung und Verarbeitung haben das Erscheinungsbild der Stadt über Jahrhunderte hinweg geprägt.

Bereits in vorchristlicher Zeit gewannen Siedler Salz am Salzbach, der in der heutigen Altstadt Werls entspringt und vom Kurgartenteich gespeist wird. Salzgewinnung wird erstmals um 850 erwähnt. 1888 wurde das Werler Solebad gegründet.

In Werl setzte die Entwicklung vom Sälzerdorf zum Solbad und somit auch die Entstehung des Kurparks am Ende des 19. Jahrhunderts ein und endete nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Bad nicht zuletzt wegen nachlassender Solekonzentration geschlossen wurde. Der Kaminsockel des Dampfkesselhauses wird als letzter baulicher Zeuge der Werler Salinenzeit als Denkmal erhalten.

Der knapp acht Hektar große Kurpark war Mitte des 19. Jahrhunderts von drei großen Gradierwerken gerahmt. Sie bestimmten lange Zeit weithin sichtbar das Stadtbild. Seit 1999 erinnert der Nachbau eines dieser Gradierwerke an die Zeit der Sälzer und des Solbades.

Der Kurpark in seiner heutigen Ausprägung besteht aus zwei Teilen: dem älteren, um 1900 angelegten Abschnitt, und einem in den 1960er-Jahren angelegten Bereich.

Die stattlichen Bäume, einzeln, in Gruppen oder als Alleen, machen den Charme des älteren Kurparkteils aus. Mit teilweise über 100 Jahren sind sie Zeugen einer bewegten Stadtgeschichte. Man sollte auch auf die Vielfalt der Gehölze achten, denn ein nicht geringer Anteil davon stammt ursprünglich aus vielen unterschiedlichen Ländern. Der damaligen Mode entsprach es, bei der Anlage von (Kur-)Parks nicht nur altbekannte, heimische Pflanzen zu nutzen, sondern mit exotischen Pflanzen eine mondäne Weltoffenheit auszustrahlen.

Den neueren Abschnitt des Kurparks kennzeichnen größere Rasenflächen, schmucke Bepflanzungen und Solitärgehölze auf bewusst gewählten Sichtachsen. Auch Kunstobjekte bestimmen den Charakter dieses Parkteils, wie zum Beispiel die massive Großplastik „Monument für O" des Künstlers Werner Ratering, die „Windblätter“ von Lothar Klute oder die „Musizierenden Mädchen“, eine Plastik des Sendenhorster Künstlers Bernhard Kleinhans. Für Kinder bietet der Park mehrere Spielplätze und weite Wiesen zum Austoben.

Einen informativen Baumrundgang mit Text und Bild bietet die Stadt auf ihrer Internetseite an (www.werl.de/kultur). Da der Kurpark gerne von Kinder- und Schülergruppen aufgesucht wird, kann hier anschaulich Naturkunde vermittelt werden; der Neue Heimat- und Geschichtsverein bietet regelmäßig Führungen durch den Kurpark an.

Der Parkfriedhof

Etwas früher als der Kurpark wurde 1850 südöstlich der Stadt ein neuer Begräbnisplatz für die wachsende Bevölkerung angelegt. Dem ein Hektar großen Friedhof wurde eine Vier-Felder-Anlage mit rechtwinkligem Wegesystem zugrunde gelegt, in dessen Zentrum das Hochkreuz der Erbsälzerfamilie von Mellin stand. Dieser alte Teil wurde im Laufe der Jahre auf die heutigen zwölf Hektar ausgedehnt.

Nach zwei Erweiterungen beauftragte die Stadt 1911 den Düsseldorfer Gartenarchitekten Reinhardt mit einer grundlegenden Überplanung und großzügigen Ausdehnung des Friedhofes. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich die Auffassung, wie Friedhöfe angelegt werden sollten, geändert. Dem neuen Trend folgend, plante Reinhardt eine parkartige Anlage, Man sollte nicht nur zum Trauern auf den Friedhof kommen, sondern ihn als Ort der Ruhe auch zur Entspannung aufsuchen. Zahlreiche unterschiedliche Gehölze aus fernen Ländern und seltene Baumarten wurden folglich gepflanzt. Eiben- und Lebensbaumhecken rahmten die Grabfelder, Alleen säumten die Wege.

Am Ende der Mittelachse des ältesten Friedhofteils steht noch heute der bemerkenswerteste Baum des Geländes, eine über 200 Jahre alte Libanon-Zeder. Sie war schon vor dem Friedhof da. Aber auch die anderen Gehölze wie Ahorne, Linden, Eschen, Lebensbäume und verschiedene Tannen sind zu prächtigen Exemplaren herangewachsen. Besonders schön ist der Laubengang. Die bogenförmig an Eisenstangen geführten Krim-Linden sind schon über 100 Jahre alt. Konsequentes und regelmäßiges Schneiden haben zu einem sehr reduzierten Dickenwachstum geführt. Sehenswert ist auch das große Michaelsdenkmal aus dem Jahre 1930 für die gefallenen Soldaten der vergangenen Kriege. Von den ehemals zahlreichen, kunstvoll mit geschmiedeten Gittern umfassten Familiengräbern sind nur noch wenige erhalten.

Eine weitere große Erweiterung wurde 1969 nach Plänen des Kölner Gartenarchitekten Victor Calles durchgeführt. Gemäß dem aktuellen Zeitgeschmack wurden Nadelgehölze wie Stech-Fichte und Schwarzkiefer, aber auch Blühgehölze wie Japanische Kirschen, Blutpflaumen oder Kupfer-Felsenbirnen als gestalterisches Grundgerüst gepflanzt. Besonders im Frühsommer überziehen die blühenden Bäume den Friedhof mit schönen Farbtupfern.

So ist der Parkfriedhof ein interessantes Beispiel für den gesellschaftlichen Wandel in der Begräbniskultur und den jeweiligen gartenkünstlerischen Umgang damit. Der Neue Heimat- und Geschichtsverein bietet zweimal jährlich eine Führung über den Friedhof an, bei der man die Geschichte der Ruhestätten und die Besonderheiten des Friedhofs kennenlernt.

Der Parkfriedhof ist bei den Werlern seit jeher hoch geschätzt; ein beliebtes Fotomotiv, besonders für Hochzeitspaare, ist beispielsweise die Brunnenanlage. Und schon im frühen 20. Jahrhundert sprach eine Pilgerin aus, was viele heute noch denken: „De Wiärlsken hiet guet stiärwen, dat is jo dat reinste Paradias! Amme jüngesten Dage well nümmes waier opstohn, säo schoin is dat huier.“ - „Die Werler haben gut sterben, das ist ja das reinste Paradies! Am jüngsten Tag will niemand wieder aufstehen, so schön ist das hier.“

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