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Burg Schnellenberg in Attendorn

Burg Schnellenberg wurde 1222 an strategisch günstiger Stelle auf einem Bergsporn hoch über dem Südufer der Bigge errichtet. Die Gartenkultur dort begann 1594, als Kaspar von Fürstenberg (1545-1618) die Burg erwarb. Diese befand sich zu diesem Zeitpunkt in einem ruinösen Zustand. Die Bautätigkeiten unter der Regie ihres neuen Besitzers dauerten über zwölf Jahre und erst 1607 zog Kaspar von Fürstenberg ein.

Der Pflanzensammler und Gartenliebhaber ging intensiv seiner grünen Leidenschaft nach und ließ mehrere Gärten auf dem Burggelände anlegen. Spuren dieses Schaffens sind heute, mehr als 400 Jahre später, immer noch gegenwärtig. Sie laden zu einer Reise in die Gartenkultur ein, wie sie an einem der bedeutendsten westfälischen Adelshöfe im frühen 17. Jahrhundert gepflegt wurde. Heute ist die eindrucksvolle Höhenburg, die nach wie vor im Eigentum der Familie ist, ein herausragendes westfälisches Baudenkmal und ein beliebtes Ausflugsziel im Südsauerland. Sie beherbergt ein exklusives Hotel und ein Restaurant. Von den Terrassen ergeben sich herrliche Blicke in die Landschaft zwischen Ebbe- und Rothaargebirge.

Die Tagebücher des Kaspar von Fürstenberg belegen, dass er über all die Jahre, parallel zu den Bauarbeiten an der Burg, intensiv den Bau von Gärten vorangetrieben hat. Sie wurden an den topografisch geeigneten Stellen um die Burg angelegt. Immer wieder gibt es Einträge, nach denen der Burgherr ganze Tage mit Pflanzarbeiten, der Veredelung von Obstbäumen oder der Beaufsichtigung von Bauarbeiten im Garten verbrachte. Bewässerungsleitungen wurden verlegt, der Bau von Brunnen beauftragt und Mauern zur Terrassierung des Geländes errichtet. In den Tagebüchern ist zum Beispiel von einem „klein weingärtchen für der pforten“ oder einem Obstbaumgarten die Rede. An anderer Stelle wird ein „neuwer gemachter garten vor dem haus“ oder ein „kuchengärtchen bei dem vurwerk“ erwähnt. Auch die heute noch vorhandenen Fischteiche und das Wegesystem gehen auf Kaspar von Fürstenberg zurück. Bauliche Reste weisen zudem auf eine Mühle hin, die er 1596 errichten ließ.

Kaspar von Fürstenberg tauschte häufig Pflanzen innerhalb seiner Familie. Viele davon wurden auf dem Gut Hengstebeck kultiviert. Sie wurden wagenweise nach Schnellenberg gebracht. Dietrich, der Bruder Kaspars, residierte ab 1585 als Fürstbischof von Paderborn im Schloss Neuhaus und nicht wenige Tagebucheinträge geben Hinweise wie: „Ich uberkomme ettliche gartengewechs als artischok und anders vom Neuwenhauß.“ Oder: „Der gartener vom Neuwenhauß kumbt darzu und richtet mir das gartlin zu.“ Aus dem Garten am Kloster Oelinghausen – Kaspars Schwester Ottilia war dort Äbtissin – kamen neben den laut Tagebuch gelieferten Erbsen auch Heil- und Würzkräuter in das Schnellenberger „krautgärtchen“.

Pläne aus dem frühen 18. Jahrhundert geben Hinweise, wie die Gärten in der Zeit des Barock ausgesehen haben könnten. Dem Zeitgeschmack entsprechend zeigen die Pläne prächtige symmetrische Anlagen. Eine Mittelachse mit einem Fontänenbrunnen im Zentrum zielte auf einen Endpunkt mit einer figurenbestandenen Kaskade. Über flankierende Treppen – der Geländevorsprung ist noch heute deutlich zu erkennen – gelangte man auf einen höher gelegenen Gartenteil, der durch Karreebeete gegliedert war. Seitlich führte eine Treppe zu einem Pavillon. Mit etwas Phantasie kann man sich das luxuriöse höfische Leben auf den heute zum Teil brach liegenden Flächen vorstellen. Die auf Kaspar von Fürstenberg folgenden Generationen entwickelten die Burg weiter und verfeinerten die Burggärten.

Burg Schnellenberg fasziniert nun, nach knapp 800 Jahren, immer noch die Besucher. Die Blütezeit der Burggärten ist längst vergangen und dennoch können ihre Reste eine Ahnung von der Entwicklung der Gärten und dem Leben auf einer herrschaftlichen Höhenburg vermitteln.

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