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Westfalenpark in Dortmund

Der Park im Dortmunder Süden wurde 1894 mit einer Bedingung an die Stadt übergeben: Dass die Grünanlage „für ewige Zeiten als öffentlicher Stadtpark unter dem Namen Kaiser-Wilhelm-Hain dem Wohle der Stadt zu dienen hat.“ Den Namen gibt es nicht mehr, aber den öffentlichen Park. Er ist seit Ende der 1950er-Jahre als Westfalenpark bekannt.

Wohlhabende Einwohner waren verantwortlich, dass der Park in Dortmund gedeihen konnte. 1889 initiierte das patriotische und kaisertreue Bürgertum den „Verein zur Gründung eines Kaiser-Wilhelm-Hains“, um mit Spenden ein Gelände weit vom damaligen Stadtzentrum zu kaufen. Dort wurden die Entwürfe von Carl Coers aus Dortmund und Edvard Glaesel aus Kopenhagen umgesetzt, so dass ein elf Hektar großer Park entstand.

Der Kaiser-Wilhelm-Hain gliederte sich in eine regelmäßig gestaltete Kernzone und einen im landschaftlichen Stil gehaltenen Bereich; sie waren durch Baumreihen miteinander verbunden. Als Ausdruck des vaterländischen Bewusstseins der Bürger wurden im Park ein Kaiser-Wilhelm I.- und Kaiser-Friedrich-Denkmal sowie eine Gedenktafel für Bismarck errichtet. Auch an einen Spielplatz wurde gedacht. Er lag hinter einer nachgebauten Stadtmauer und war von dichten Pflanzen und kleinen Bäumen umgeben.

Bis heute ist der Westfalenpark ein Paradies für Kinder: Sie verteidigen oder erobern ein Piratenschiff auf dem Robinson-Spielplatz und erkunden den Langnese-Spielplatz mit seinem Schloss. Die beiden Spielplätze verbindet der fast zwei Kilometer lange Spielbogen, der einen Parcours rund ums Sehen, Hören und Fühlen ist. Noch mehr Abenteuer und Wissenswertes gibt es im Kindermuseum „mondo mio“ zu erleben.

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts reichte der Kaiser-Wilhelm-Hain für Freizeit und Erholung nicht mehr aus, denn mit der rasanten Industrialisierung waren viele Menschen nach Dortmund gekommen. Diesmal ermöglichte eine ansässige Brauerei, dass der Park erweitert werden konnte, indem sie der Stadt ein südlich angrenzendes Gelände schenkte. So entstand bis 1911 ein rund 20 Hektar großer Park, der sich bis zum Industriegebiet in Hörde erstreckte. Zwischen prächtigen Bäumen, blühenden Rabatten und ausgedehnten Wiesen hatten sich nicht nur zahlreiche Denkmäler, sondern auch erbeutete Kanonen aus mehreren Kriegen angesammelt.

Neben dieser nationalistischen Verehrung der „Helden des Vaterlandes“ stand das Vergnügen im Mittelpunkt. Denn im Kaiser-Wilhelm-Hain gab es einen Musik- und Aussichtspavillon sowie mehrere Ausflugslokale. Das hat sich bis heute nicht geändert: Das damalige Ausflugslokal Buschmühle ist ein Restaurant und eine Disco. Dazu kommen Cafés an den Wasserbecken, im Kaiserhain und am kleinen Teich.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Kaiser-Wilhelm-Hain stark zerstört, danach ersetzten Gemüsefelder die Rasen- und Wiesenflächen, um den Hunger zu lindern. Doch schon in den 1950er-Jahren war der Park mit dem Kaiserhain- und Buschmühlenteich wieder hergerichtet. Den Abschluss und auch Höhepunkt des Wiederaufbaus in der Stadt und im Park markierte die Bundesgartenschau 1959. Für die präsentierte Gartenerlebniswelt wurde das Areal auf insgesamt 70 Hektar erweitert.

Die Attraktion der Bundesgartenschau war der neue Fernmelde- und Aussichtsturm, den die Dortmund liebevoll „Florian“ nennen. Aus dem Turmcafé und von der luftigen Aussichtsplattform bieten sich tiefe Blicke ins Ruhrgebiet und den Westfalenpark. Seinen aktuellen Namen trägt der Park seit dem Ende der ersten Bundesgartenschau, die ein Meer von Blumen, Wasserspiele und technische Spielereien wie die Kleinbahn und die Sesselbahn präsentierte. Noch immer können Besucher den Westfalenpark schwebend im Sessel oder in den Waggons der Bahn entdecken.

Weil sich das älteste deutsche Rosarium in Sangerhausen in der DDR befand und seine Funktion für die (west)deutschen Rosenschulen nicht erfüllen konnte, wurde das Deutsche Rosarium des Vereins Deutscher Rosenfreunde im Westfalenpark gegründet. Als der Rosengarten 1987 neu angelegt wurde, konnten die Blumen nach Wuchsform und Blütenfarbe angeordnet werden. Sie bezaubern im Sommer mit einzigartiger Vielfalt.

Noch zwei Mal, 1969 und 1991, kehrte die Bundesgartenschau in den Westfalenpark zurück. Für die letzte Schau wurden die aus Stahl und Glas konstruierten Eingänge und Kioske neu errichtet. Aber die auffälligste Veränderung war die Verwandlung der breiten Promenaden in schmale Wege, die Besucher in alle Parkteile und Gärten führen. Heute zählt der Westfalenpark zu den abwechslungsreichsten Grünanlagen im Ruhrgebiet und ist die Bühne für Veranstaltungen wie das Winterleuchten, das Lichterfest und das Musikfestival Juicy Beats.

Quelle: Wolfgang Gaida, Helmut Grothe, 2010: Barocke Pracht, Bürgerstolz und Orte des Wandels – Gärten und Parks im Ruhrgebiet, Essen

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