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Schlosspark Gehrden in Brakel

Das eindrucksvollste Gewächs im Schlosspark Gehrden ist die Zwölf-Apostellinde. Vor über 800 Jahren sollen die Nonnen des Klosters zwölf Linden als Symbol für die Apostel so nah aneinander gepflanzt haben, dass sie zu einem einzigen Baum zusammen gewachsen sind. Der mächtige Stamm mit fast zehn Metern Umfang teilt sich in elf einzelne Stämme – einer ist bei einem heftigen Gewitter abgebrochen. Der riesige Baum hat alle Phasen der Geschichte Gehrdens erlebt: die Klosterzeit, den Schlosspark und schließlich den neuzeitlichen Park.

Der Ursprung der Schlossanlage war das Benediktinerinnenkloster Gehrden. Es wurde 1142 gegründet und kurze Zeit später die  Klosterkirche errichtet. Die kreuzförmige, dreischiffige Basilika aus heimischem Kalkstein gilt als die besterhaltene romanische Kirche der Region. Sie erhielt zu Beginn des 13. Jahrhunderts den Turm und die Nordtür, die mit einem Eisenbeschlag und einem gemeißelten Klopfer mit Dämonengesicht verziert ist. Die neun Glocken im Turm bilden das umfassendste Geläut in Westfalen. Die älteste Glocke erklingt schon seit der Entstehungszeit des Turms. Zudem ist die Gewölbebasilika reich mit barocken Elementen und Glasfenstern des späten Jugendstils verziert.

Ein Blick auf die von einem Lindenkranz umgebene heutige Pfarrkirche St. Peter und Paul bietet sich von der hohen Klostermauer, die früher den geschlossenen Klosterbezirk vom Kirchhof abgrenzte. Letzterer wurde als Friedhof genutzt, weil man im Mittelalter glaubte, durch ein Begräbnis in der Nähe der Kirche Gott besonders nahe zu sein. Der separate Nonnenfriedhof lag in einem Winkel von Kirche und Kloster.

Während der Klosterzeit umfasste der heutige Park vor allem einen Baum- und Bleichegarten, dessen Name auf sonnenbeschienene Rasenflächen und baumbestandene Bereiche hinweist. Eine Karte von 1268 zeigt, dass auch ein Bach durch das Klostergelände floss und einen Teich speiste. Dieser wurde vermutlich zur Fischzucht genutzt, weil Fische zu den wichtigsten Nahrungsmitteln in Klöstern zählten.

Barock umgestaltet wurde das Kloster Gehrden zwischen 1693 und 1711. Durch die Säkularisation fiel es 1810 an Jérome, den Bruder Napoleons, der es für 350 000 Francs an seinen Großzeremonienmeister Graf Wilhelm von Bocholtz zu Niesen verkaufte. Dieser ließ drei Flügel des quadratischen Kreuzgangs abreißen und den Rest des Klosters zu einem klassizistischen Schloss umbauen. An der Stelle des ehemaligen Kreuzgangs befindet sich heute die Terrasse, auf der ein Gingko-Baum steht. Ginko-Bäume werden in deren Heimat Asien als heilige Bäume und Symbole der Hoffnung und Lebenskraft verehrt.

Das große Rasenparterre mit der von Rosen umsäumten Statue der heiligen Maria aus dem 18. Jahrhundert auf der Südseite wurde nach barockem Vorbild angelegt. Das von Graf Bocholtz errichtete klassizistische Tor in der Nähe trägt bemerkenswerte Wappenlöwen auf den Torpfeilern.

Schon 1826 war Bocholtz gezwungen, seinen Gehrdener Besitz an Caspar Heinrich Graf von Sierstorpff, den Begründer der Kuranlagen in Bad Driburg, zu veräußern. Der nördlich gelegene Garten wurde durch von Sierstorpff in einen Landschaftspark umgewandelt und durch einen umlaufenden Weg erschlossen. Den Mittelpunkt des leicht modellierten Geländes bildete ein Teich mit einer nahe gelegenen Grotte. Vermutlich wurden damals auch die beiden großen Steinvasen im Park aufgestellt.

Die neuzeitliche Phase des Parks begann 1933, als die Ländereien zu Siedlungszwecken aufgeteilt und der Schlosspark teilweise in Grabeland umgewandelt wurde. Letzte landschaftsgärtnerische Veränderungen gab es um 1965. Teile des ehemaligen Klosters wurden 1982 in die Denkmalliste eingetragen, darunter der jenseits der Klostermauern stehende historische Taubenturm.

Seit 2011 erstrahlt der Schlosspark in neuem Glanz: Unter anderem wurden die Sichtachsen zwischen Apostellinde, Kirche und dem ehemaligem Kloster wieder hergestellt sowie die ursprünglichen Dimensionen des Klosters durch in der Rasenfläche verlegte rote Sandsteinplatten verdeutlicht.

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