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Parklandschaft Friedrichstal in Detmold

Mehr als 300 Jahre nach der Erstellung des nach seinem Erbauer Friedrich Adolph zur Lippe benannten Friedrichstaler Kanals prägt dieser noch immer das Erscheinungsbild der ehemaligen Residenzstadt Detmold. Vor einigen Jahren besann man sich dieses besonderen gartenkulturellen Erbes und unternahm große Anstrengungen zur Wiederherstellung des historischen Erscheinungsbildes der Parklandschaft Friedrichstal. Die Wege wurden erneuert, der Kanal entschlammt, die Uferbefestigungen saniert sowie eine Wasserterrasse am Schlossgraben und ein Stillgewässer auf der Inselwiese angelegt. So konnte dieses in Westfalen einzigartige Baudenkmal mit Mitteln des Landes NRW und der Stadt Detmold wieder in Wert gesetzt werden.

Im Jahre 1701 begann Graf Friedrich Adolf zur Lippe mit dem Bau des später sogenannten
Friedrichstaler Kanals und dem Ausbau der Meierei Pöppinghausen zur großzügigen Lustschloss- und Gartenanlage Friedrichstal. Vorbild war das von König Ludwig XIV. erbaute Sommerschloss Versailles, das Maßstab aller ehrgeizigen Schloss- und Gartenprojekte des 17. und 18. Jahrhunderts in Europa war. Auf einer Reise durch Europa hatte Graf Friedrich Adolf Versailles kennengelernt.

Ein schiffbarer Wasserweg sollte das Detmolder Residenzschloss mit dem vor den Toren der Stadt geplanten Lustschloss verbinden. Nach Plänen des Hofmalers Rundt begann der holländische Kanalbauer Kock 1701 mit dem Bau des Kanals. Unter Einbeziehung des Stadtgrabens und der Berlebecke legte er in nur drei Jahren den acht Meter breiten Kanal mit den drei Schleusen und zwei Zugbrücken vom Residenzschloss bis zur Inselwiese an. Für die Bootsfahrten wurden extra drei Schiffe angeschafft.

Stadtauswärts säumte die 1720 auf Initiative von Graf Adolf angelegte Häuserzeile der barocken Neustadt den Kanal bis zum Neuen Palais. Auf der Westseite der Allee begann man erst 1818 mit dem Bau stattlicher Landhäuser. Längs des Kanals wurden seit 1705 gärtnerisch ausgeschmückte Anlagen mit doppelten Hecken und Alleen aus Linden und Walnussbäumen angelegt.
Etwa auf der Höhe des Neuen Palais unterbricht heute das Rauschen eines Wasserfalls den ruhig dahinfließenden Friedrichstaler Kanal. Hier befand sich bis Mitte des 18. Jahrhunderts die zweite Schleuse, die den gräflichen Booten das Überwinden von etwa drei Metern Höhenunterschied ermöglichte.
Das südliche Ende des Friedrichstaler Kanals und der Allee bildet heute die erst später erbaute Obere Mühle. 1701 wurde hier im Tal der Berlebecke ein Damm errichtet und in diesen die oberste der Schleusen eingebaut. Der Bach konnte so aufgestaut und der Wasserstand des Kanals reguliert werden. Die Wasserspiegeldifferenz betrug etwa vier Meter.

Damals endete der Kanal in Höhe des heutigen LWL-Freilichtmuseums Detmold an der Vier-Türme-Insel. Nach Plänen des Grafenpaares sollte auf dieser Insel das Lustschloss Friedrichstal stehen, umgeben von einer imposanten barocken Parkanlage nach Versailler Vorbild. Wegen chronischen Geldmangels wurden aber nur Teile davon realisiert.

Von der Insel begab man sich zu Wagen oder zu Fuß in die nahe Anlage Friedrichstal. Hier befand sich ein Barockgarten mit Terrassen und Teichen. Die Krönung bildeten die Wasserspiele: Vom Krötenteich lief das Wasser über verschiedene Kaskaden und Teiche zu einem Sammelbecken. Eine Grotte, die aufwändig mit polierten Muschelschalen verkleidet war, bildete den unteren Abschluss der Anlage. Sie wurde 1856 zum Mausoleum umgebaut und die Sarkophage der Familie zur Lippe wurden dorthin überführt.

Die auch für diverse Feiern genutzte Neue Orangerie wurde schon 1729 durch einen Brand zerstört. Danach verfiel die Anlage Friedrichstal aufgrund der heiklen Finanzsituation zunehmend, bis sie im 19. Jahrhundert zu einem englischen Landschaftspark umgestaltet wurde. Die Inselwiese wandelte man in eine Feuchtwiese um, die heute unter Naturschutz steht.
 

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