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Klostergärten Clarholz in Herzebrock-Clarholz

Wieder erlebbar sind die historischen Gärten des Klosters Clarholz, die seit Ende der 1990er Jahre instand gesetzt wurden. Nun entführen sie die Besucher in das Leben der Chorherren des Prämonstratenserordens. Zuerst konnte der Konventsgarten wiederhergestellt werden, der nun durch Tore aus barocken Lettnergittern betreten wird. Ein Wegesystem leitet durch den alten Nutzgarten des Konvents.
Es folgte der Propsteigarten. Dieser wurde mit rechtwinklig angelegten Wegen nach barockem Vorbild und gartenkünstlerischen Gesichtspunkten frei gestaltet, weil historische Pläne fehlten. Nachdem auch der Ehrenhof neugestaltet und die umgebenden Wassergräben – Gräfte genannt – entweder vom Schlamm befreit oder neu angelegt waren, wurden die wiederhergestellten Gärten 2003 eingeweiht.

Erst 2009 tauchte bei einer Haushaltsauflösung in Clarholz eine Karte des Klosters aus dem Jahr 1804 auf, welche die Anlage und Gärten unmittelbar nach der Säkularisation zeigt. Damals übernahmen weltliche Landesherren die kirchlichen Territorien. Das preußische Militär räumte das Kloster Clarholz, das größtenteils an das Fürstenhaus Bentheim-Tecklenburg fiel. Viele Gebäude und auch der Kreuzgang wurden abgerissen, die Klostergärten fortan als Nutzgärten und Ackerland bewirtschaftet.

Mit der Säkularisation endete für das Kloster Clarholz eine jahrhundertealte Geschichte: 1133 wurde es vom Mutterkloster Cappenberg zusammen mit dem Frauenkloster im benachbarten Lette als Doppelkloster gegründet. Die rund fünf Hektar große Anlage war vollständig von einer zum Teil doppelten Gräfte umschlossen und setzte sich zunächst aus einer Kirche, den Kreuzgangflügeln und dem Konventsgebäude zusammen. Weil sich das Stift wirtschaftlich gut entwickelte, konnte die romanische Basilika im 14. Jahrhundert zur gotischen Hallenkirche umgebaut werden.

Bald nachdem Elbert von Kückelsheim im Jahr 1693 zum Propst ernannt worden war, veranlasste er den Ausbau des Klosters zu einer anspruchsvollen Barockresidenz mit  aufwändigen Gärten. Nach dem Neubau seiner repräsentativen Propstei 1707 ließ er den Vorplatz zu einem bis heute beeindruckenden Ehrenhof umgestalten.
Danach wurden auch die Gärten zu einer barocken Grünanlage umgewandelt. Das galt vor allem für den Propsteigarten, der mit Laubengängen, Alleen und Baumgärten, so genannten Bosketts, bepflanzt war. Sogar eine Kegelbahn gab es. Ein heute wiederhergestellter Mittelweg führte zur Orangerie, die einen „point de vue“ bildete. Alleen, die in die Landschaft führten, betonten die Wirkung der gesamten Anlage.

Die verschiedenen rekonstruierten Gärten lassen sich auf einem ausführlichen Rundgang durch das Kloster entdecken. Ein möglicher Startpunkt ist die historische Hauptzufahrt, die vom Krautgarten und der Börne – einem zum Fischteich erweiterten Teil der Gräfte – gesäumt ist. Durch Torpfeiler, die mit Löwen gekrönt sind, betritt man den Wirtschaftshof. Dort grenzen Hecken den Hof von den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden ab, die nun bewohnt sind. Ein weiteres Löwentor führt zum Ehrenhof, der sich noch über seine ursprüngliche Größe vor der herrschaftlichen Propstei erstreckt. Eine wenig repräsentative Tür auf der Rückseite führte in den privaten Garten des Propstes. Heute ist das grüne Paradies für Besucher durch Wege erschlossen.

Seit 2006 schließt sich im Westen der „Labyrinth- und Lustgarten Nr. 10“ des belgischen Künstlers Jan Vercruysse an, der eine begehbare Skulptur aus Pflanzen und Möbeln erschaffen hat.

Lohnend ist auch ein Besuch des mit Linden bestandenen Kirchplatzes, der bis 1880 als Friedhof diente. Zwischen der Sankt Laurentius-Kirche und dem Konventshaus liegt der ehemalige Kreuzganghof. Dort verraten neu angelegte Pflasterwege und noch erkennbare Mauerbögen an der Kirchenwand den historischen Verlauf des Kreuzgangs.