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Schlosspark Westerwinkel in Ascheberg

Ein frühbarockes Schloss erwartet Besucher südlich von Ascheberg: 1663 hatte Dietrich Hermann von Merveldt mit dem Bau begonnen, in den frühere Baustile noch sichtbar eingeflossen sind. Die Portale und das Wappen am Erker bilden den einzigen Schmuck. Das lang gezogene und strenge Schloss mit vier Flügeln und Pavillontürmen ist eines der letzten Beispiele des Frühbarocks in Westfalen.

Die frühe Geschichte von Schloss Westerwinkel und seinen Gärten ist vage geblieben. Es wird 1225 urkundlich erwähnt und gehörte den Edlen von Westerwinkel – ein Geschlecht, das nach einigen Besitzerwechseln ab 1555 dauerhaft zurückkehrte. Während des 30-jährigen Kriegs war Schloss Westerwinkel eine trutzige Wasserburg, die durch Gräben und Wälle geschützt wurde. Diese Wehranlagen sind immer noch zu erkennen. Später wurden das frühbarocke Schloss und die Vorburg auf eigenen Inseln errichtet. Das Torhaus aus dem Jahr 1663 ist laut Schlussstein eines der ersten und der Uhrturm von 1696 eines der letzten Gebäude dieser Bauphase. Danach blieben Schloss und Vorburg nahezu unverändert – nur zwischen 1807 und 1812 wurden die Hauben der Türme bearbeitet und mit Wetterfahnen ausgestattet.

Lange Zeit wurden die Anlagen um Schloss Westerwinkel für den Anbau von Obst und Gemüse genutzt, bis der Wandel zu einem Landschaftspark einsetzte. Innerhalb seiner Grenzen wurde 1995 ein 18-Loch-Golfplatz mit einigen Übungsplätzen angelegt, die ein besseres Handicap ermöglichen sollen. Zeitgleich wurde der Nutzgarten wieder bepflanzt, dessen Kirschbäume im Frühjahr erblühen.

Die Geschichte des Schlossgartens lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Quellen erwähnen mehrere Gärten und eine Fasanerie: Auf einer Insel westlich des Schlosses lag ein ummauerter Garten mit dem zweigeschossigen Pavillon „La Solitude“, der 1718 aus Backstein gebaut wurde. Die Pfeiler mit Schmuck aus Sandstein und die axiale Ausrichtung auf den Westflügel des Schlosses sind typisch für die Zeit des Barock. Der Pavillon ist bis heute erhalten geblieben.

Ein undatierter Plan zeigt, dass sich formale Gärten auch südlich des Schlosses befunden haben. Dort standen die gläserne Orangerie und ein Backsteinhaus mit angrenzendem Orangeriegarten sowie eine Fasanerie im Osten. Außerdem gab es die Vergé – eine Art Baumschule – und einen Eiskeller. Von den südlichen Anlagen sind heute die zentrale Ost-West-Achse mit Brücke sowie die Mauern an der ehemaligen Fasanerie zu erkennen. Auch zeugen die alten Eichen- und Kastanienalleen noch von der damaligen Barockanlage.

Im 19. Jahrhundert wurden die Gärten einerseits zur Produktion von Obst und Gemüse genutzt, andererseits sollten die Anlagen nach den Wünschen der Besitzer herrschaftlicher erscheinen. Die schmückenden Blumenbeete und -parterres mussten auf die Besuche der Adligen abgestimmt werden, die das Schloss Westerwinkel nicht ständig bewohnten. Denn es wurde vor allem als Sommersitz oder zur Jagd genutzt.

Eine neobarocke Orangerie ersetzte um 1860 die vorhandene Fasanerie, dazu kam ein gläsernes Gewächshaus in direkter Nachbarschaft. In den Bauten wurden Palmen und Orangenbäume überwintert, aber auch Blumen und Gemüse getrieben. Als weitere Gebäude entstanden im Schlosspark das ebenfalls neobarocke Gärtnerwohnhaus und ein neues Verwalterhaus mit farbigen Backsteinverzierungen südlich der Garteninsel.

Wann der Park in einen englischen Landschaftsgarten umgewandelt wurde, ist nicht überliefert. Bekannt ist, dass neben Buchen, Eichen, Linden, Kastanien und Kiefern auch exotische Bäume wie Platanen, Tulpenbäume und Sumpfzypressen gepflanzt wurden – einige stattliche Exemplare schmücken bis heute die Landschaft. Zusätzliche Bauten im Park waren eine Ziegelei und eine Kalkbrennerei, deren Standorte nicht mehr nachweisbar sind, sowie das Forsthaus. Dieser Fachwerkbau ist noch heute etwa einen Kilometer vom Schloss entfernt im Wald gelegen.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war die produktive Seite des Gartens von großer Bedeutung: Lieferlisten weisen Gemüse wie Artischocken, Champignons, Kohlarten und Obst wie Erdbeeren, Pfirsiche sowie historische Apfel- und Birnensorten aus. Zusätzlich steigerte sich die Blumenpracht um Schloss Westerwinkel: Zierblumen, Zwiebelgewächse oder Palmen wurden aus ganz Deutschland angeliefert. Doch nach dem Ersten Weltkrieg waren die finanziellen Lasten für Schloss Westerwinkel zu groß. Ab 1924 wurden Zimmer durch das Wohnungsamt zwangsvermietet und 1931 wurde die Gärtnerei verpachtet.

Heute dominiert der Golfplatz die Umgebung von Schloss Westerwinkel, in der sich auch Wanderer und Radfahrer wohlfühlen. Denn ein kombinierter Rad- und Wanderweg führt vom Ascheberger Ortsteil Herbern zur Bahnstation nach Capelle und weiter zum Schloss Nordkirchen.

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