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Schlosspark Velen

Schloss Velen zählt zu den seltenen Schlössern im Münsterland, die im Besitz der ursprünglichen Familie sind. Während der fast achthundertjährigen Geschichte haben die Besitzer einige Male gewechselt, aber jetzt gehört das Schloss wieder der Familie von Velen. Es liegt im Süden der Gemeinde Velen und wird als Sporthotel mit Golf- und Tennisplätzen betreiben. Der Schlosspark wurde mit dem wiederhergestellten Tiergarten zu einen weitläufigen Park entwickelt.

Im Jahr 1426 wurde Schloss Velen erstmals erwähnt, damals entstand der bis heute erhaltene Mitteltrakt. Noch früher existierte die Burg Velen – ein einfaches Herrenhaus, dass um 1240 Hermann I. und seinem Sohn Konrad als Herren von Velen gehörte. Eine wichtige Bauphase fand im 16. Jahrhundert statt: Hermann VII. ließ die Kapelle und die beiden Seitenflügel des Schlosses errichten. Sein Sohn Alexander war für den veränderten Hauptflügel und einen neuen Turm verantwortlich. Dann verhinderte der 30-jährige Krieg weitere Arbeiten am Schloss Velen. Erst 1692 gestaltete der Baumeister Ambrosius von Oelde die Hoffront des Mitteltraktes neu und ließ eine dreiflügelige Vorburg errichten.

Kurze Zeit später – im Jahr 1707 – wurde auch der Tiergarten erwähnt, der sich südlich an den Schlosspark anschließt. Aus dieser Zeit stammen vermutlich einige der typischen, noch erhaltenen Begrenzungswälle mit Gräben. Der Barockstil erreichte Mitte des 18. Jahrhunderts das Schloss Velen und seine Grünanlagen. Der Baumeister Johann Conrad Schlaun gestaltete den Nordflügel und plante eine eingeschossige Orangerie. Diese wurde von einem Mitarbeiter allerdings mit zwei Geschossen erbaut und ist bis heute erhalten. Das gilt auch für die Fasanerie im Tiergarten, die ebenfalls Schlaun entwarf. Der im Barockstil gestaltete Tiergarten nimmt mit seiner Mittelachse eine direkte Beziehung zum Schloss auf. Diese Nord-Süd-Achse ist noch erhalten, ebenso eine Zick-Zack-Mauer an der Orangerie und Reste der Alleen, nördlich und westlich des Schlosses. Zusätzlich hat es damals am Schloss einen rund fünf Hektar großen Barockgarten gegeben sowie einen umfangreicheren Lustgarten. Seine Nord-Süd-Achse war mit zwei runden Wasserbecken und Skulpturen ausgestattet.

Die Gärten um Schloss Velen prägten Clemens August von Vagedes im ausgehenden 18. Jahrhundert und anschließend Maximilian Friedrich Weyhe. Ein 1788 erstellter Plan von Vagedes zeigt neben den Alleen einen frühen landschaftlichen Garten, der auch vorhandene geometrisch gestaltete Areale einbezieht. Erstmals wurden Sichtachsen angelegt, die unabhängig von den Wegen waren und damit nicht mehr den barocken Vorstellungen entsprachen. Auch im Tiergarten wurde Ende des 18.Jahrhunderts ein sogenannter „belt walk“ – ein Rundweg – angelegt, der Sichtachsen zu verschiedenen Bauten eröffnete. Auch typisch für diese Phase sind verspielte Bauwerke wie eine chinesisch anmutende Brücke.

Unter Ignaz Franz von Landsberg-Velen plante zu Beginn des 19. Jahrhunderts August Reinking ein neues Hauptportal für das Schloss und der Gartenkünstler Weyhe legte ab 1816 seine Ideen zur landschaftlichen Gestaltung des Schlossparks vor, die von 1818 bis 1824 weitgehend umgesetzt wurden. Sie waren im Gegensatz zu Vagedes sowohl malerischer als auch stärker von botanischen Besonderheiten geprägt. Noch heute stehen exotische Bäume wie Baumzypressen, Tulpenbäume und Tränenkiefern aus dieser Zeit im Schlosspark. Am Rand wachsen vor allem Rosskastanien, Hainbuchen, Rotbuchen, Linden und Blutbuchen, die auch teilweise von Weyhe gepflanzt wurden.

Im Tiergarten veränderte Weyhe den Verlauf einiger Wege und Bäche, dort wurde auch das Forsthaus gegenüber der Fasanerie erweitert. Beide Gebäude liegen nun an der Hauptachse. Nur der südlich an das Schloss angrenzende Lustgarten blieb formal und wurde erst um 1880 landschaftlich überformt. Nach dem Tod des kinderlosen Maximilian Franz von Landsberg-Velen verwilderte der Schlosspark ab 1900 zunehmend und ein tagelanger Brand im April 1931 vernichtete das Schlossinnere fast vollständig. Drei Jahre später begann der Wiederaufbau, um Schloss Velen als Zollschule zu nutzen. Es wurde innen stark verändert und erhielt einen unbewachsenen Ehrenhof. Im Zweiten Weltkrieg dient es als Lazarett und Altenheim, bis in den 1960er Jahren wieder eine Zollschule einzog.

Der Tiergarten hat in der Nachkriegszeit stark unter Abholzungen für Reparationen gelitten. Ein weiterer Eingriff war der Bau der Tennisanlagen zu Beginn der 1980er-Jahre, die die Nord-Süd-Achse im Schlosspark unterbrechen. Schließlich entstand 1987/88 das Sporthotel, für das die Nebengebäude und Grünanlagen nochmals verändert wurden. Im Schlosspark finden sich nun auch Pitch-Putt-Gelände für Golfspieler und Parkplätze.

An vielen Stellen des Schlossparks sind aber die historischen Strukturen noch erkennbar. Zudem wurden einige neue Bäume wie Platanen, Feuerahorn und Amberbäume gepflanzt. Im Jahr 2006 wurde auch der Tiergarten instand gesetzt. In der Orangerie, einem der bedeutendsten erhaltenen Gebäude mit originalem Barockstuck, befinden sich heute ein Restaurant sowie ein Veranstaltungs- und Konzertsaal.

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