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Schlosspark Nordkirchen

In landschaftlich reizvoller Lage des südlichen Münsterlandes, unweit des Ortes Nordkirchen, liegt die bedeutendste Schlossanlage des Barock in Westfalen. Schloss Nordkirchen, aufgrund seiner Bedeutung für die Architektur- und Gartengeschichte vielfach als „Westfälisches Versailles“ bezeichnet, ist eingebettet in einen weitläufigen Park, der mit seinen Alleen weit in die umgebende Landschaft ausstrahlt. Ein Besuch des größten Wasserschlosses Westfalens samt seiner ausgedehnten Gartenanlagen kann mannigfaltig gestaltet werden, denn die vielen wiederhergestellten Teile des Parks lassen einen Blick in die Geschichte der barocken Gartenkunst zu.

Schloss und Park gehen in den Grundzügen ihrer heutigen Erscheinungsform auf Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg zurück. Er fasste 1694 den Plan, an der Stelle einer bestehenden Wasserburg ein Schloss zu erbauen. Ein erster Barockgarten im sogenannten holländischen Stil wurde daraufhin angelegt.
Kurze Zeit später übernahm Freiherr Ferdinand von Plettenberg die Nordkirchener Güter von seinem Onkel. Unter der Federführung des bedeutenden Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun wurde ab 1725 der Westgarten erheblich erweitert und das Lustschlösschen Oranienburg fertiggestellt. Mit Gartenelementen wie Orangerie, Ballspielplätzen, Wasseranlagen oder Broderieparterres gedieh die Anlage zu einem der wohl schönsten Gärten Deutschlands.

In den folgenden Jahrhunderten bekam die Gartenanlage durch jeweils neue Eigentümer immer wieder eine neue Gestalt. So wurden ab 1833, nach der Übernahme durch das Ehepaar Esterházy-Galántha, im bis dahin weitgehend unveränderten Schlosspark erhebliche Neuerungen vorgenommen. Unter Maximilian Friedrich Weyhe, Königlicher Gartendirektor aus Düsseldorf, wurden im Bereich der Schlossinsel und in der Hauptachse des Schlosses – im Nordgarten – zeitgenössische Veränderungen vollzogen. Es war allgemein üblich, die strengen „französischen“ Anlagen durch moderne Anlagen im „englischen“, also mehr landschaftlichen Stil zu ersetzen. Der von Schlaun bevorzugte Westgarten blieb von diesen Überarbeitungen jedoch verschont.
Nach dem Verkauf an die Familie Herzog von Arenberg Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Pläne des französichen Gartenkünstler Achilles Duchêne zur Rebarockisierung und Erweiterung des Gartens umgesetzt. Der Nordgarten erhielt so wieder strengere, neobarocke Formen mit Broderieparterres und zahlreichen Skulpturen. Im Ostgarten wurden ein Wegestern mit Chinesenrondell, ein Spiegelweiher und ein Rasenparterre neu geschaffen. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges fanden die Pläne zur Neugestaltung der Schlossparkanlagen aber ihr Ende und die Gesamtanlage verfiel zunächst. Nach der Übernahme durch das Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 1958 wurden Schloss und Oranienburg für ihre neue Nutzung als Fachhochschule für Finanzen restauriert und erste Maßnahmen zur Wiederherstellung der Parkanlagen ergriffen. Leider wurde dabei der Spiegelweiher mit einer neuen Mensa überbaut.

Bis heute beeindrucken die herrschaftlichen Gärten den Besucher durch ihre barocke Grundstruktur mit Alleen, Achsen und Skulpturen. Diese in ihrer Architektur einmaligen Parkteile vermitteln dem Besucher einen Eindruck von der Schönheit der ehemaligen Gesamtanlage. Bei einem Spaziergang durch den Park stößt man immer wieder auf eine der 385 barocken Skulpturen, auf Mauerpfeiler, Türmchen oder auf Reste vergänglicher Elemente wie die eines eisernen Laubenganges im Westgarten. Die gesamte Anlage lädt den Besucher zu einer Entdeckungsreise durch die Zeit ein.
Von vielen Stellen im Park aus kann man immer wieder reizvolle Blicke auf das imposante Wasserschloss erhaschen. Am eindrucksvollsten ist der Blick von der Wasserterrasse im Nordgarten über den Schlossteich mit der Fontäne. Die Venusinsel im Schlossteich ist heute das Herzstück des Parks. Sie ist in den 1980er-Jahren nach Plänen von Achilles Duchêne komplett rekonstruiert worden und ermöglicht so einen Blick in die Vergangenheit, in der die gesamte Schlossanlage der Schönheit der Venusinsel in Nichts nachstand. Ausgestaltet mit Rasen- und Broderieparterres, Formgehölzen und zahlreichen Bildwerken lädt sie den Besucher zum Verweilen und Genießen und im wahrsten Sinne zum Lustwandeln ein.

Das Schloss selbst, die Kapelle und die Gastronomie sind nicht nur bei Hochzeitsgesellschaften beliebt, sondern auch wichtige Anlaufstellen für Radtouren durch die Münsterländer Parklandschaft. Für die Attraktivität der Gesamtanlage sprechen die rund 500 Hochzeiten in der Schlosskapelle und die bis zu 500.000 Besucher in jedem Jahr.

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Diese Seite bietet Ihnen umfangreiche Informationen zu Gärten und Parks in Westfalen. Verschaffen Sie sich einen Eindruck von der Vielfalt an Anlagen in der Region, von den Gärten an mittelalterlichen Klosteranlagen über Barock- und Landschaftsparks bis hin zu zeitgenössischen Parkanlagen. Erfahren Sie hier mehr über die 120 Gärten und Parks – von der Geschichte der Anlagen über die oftmals im Laufe der Zeit erfolgten Veränderungen bis zu ihrer heutigen Nutzung.