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Schlossgarten Ahaus

Das Zentrum von Ahaus beherrscht ein frühbarockes Schloss mit einem großen Stadtpark. Entstanden ist das heutige Ensemble nach dem Zweiten Weltkrieg, denn Bomben zerstörten im März 1945 das originale Schloss mit seinem Garten nahezu vollständig. Doch die Stadt Ahaus ließ den Grundriss und die Fassaden nach Plänen aus dem späten 17. Jahrhundert wieder herstellen. Diese umfassen eine Vorburg und das Schloss auf einzelnen Inseln. Auch Backstein und Sandstein wurden erneut als Baumaterial verwendet. So ziehen der Haupteingang, der von einem reich geschmückten Mittelrisalit betont wird, das dekorative Triumphtor mit den Wachthäuschen und der Torturm an der Vorburg die Blicke der Besucher auf sich. Dagegen wurde das Schlossinnere für die Nutzung als Berufsschule angepasst.

Den umgebenden Park konzipierten Landschaftsarchitekten als modernen Stadtpark, der sich nicht mehr direkt auf Schloss Ahaus bezieht. Nur wenige Details deuten noch auf den reich ausgestatteten Barockgarten oder den landschaftlichen Park aus dem 19. Jahrhundert hin. Hauptsächlich sind es mehrere historische Statuen, die mit modernen Plastiken in der rund acht Hektar großen Anlage platziert sind. Außerdem lockt der Stadtpark kleine und große Besucher mit Spielplätzen zum Austoben, Ruhezonen zum Entspannen und vielen öffentlichen Wegen zum Spazierengehen.

Das originale Schloss Ahaus ließ der Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg ab 1690 errichten. Die Pläne lieferte der Kapuzinerarchitekt Ambrosius von Oelde. An der Stelle hatte seit etwa 1120 schon die Burg Ahaus gestanden, deren Name wahrscheinlich von „Haus an der Aa“ kommt. Erbauer war Bernhard von Diepenheim. Sein Sohn nannte sich ab 1154 „von Ahaus“. Obwohl die Burg mehrmals zerstört und wieder aufgebaut wurde, blieb sie bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts im Besitz der Edelherren von Ahaus. Damals kaufte Bischof Otto IV. von Münster die Anlage mit den Ländereien. Seine bischöflichen Nachfolger verbesserten vor allem die Befestigung der Burg, denn bis ins 17. Jahrhundert war Ahaus immer wieder in Kriege verwickelt.

Nach einer Friedenszeit unter Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen veranlasste sein dritter Nachfolger, Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg, den Abriss der Burg und den Bau des Schlosses. Die zentrale Achse der Bauten setzte sich auf der südlichen Seite in einem Garten fort, die vom Wassergraben unterbrochen wurde. Bereits 1696/97 entstand eine Orangerie, so dass sich in Ahaus der erste frühbarocke Garten mit einer Orangerie aus Stein in Westfalen befand.

Zwischen 1699 und 1702 schuf der münstersche Bildhauer Johann Mauritz Gröninger etwa 25 Gartenfiguren – vermutlich für das Parterre im Park. Einige lassen sich heute noch im Gartensaal betrachten und die Mars-Skulptur aus Gildehauser Sandstein schmückt ein Rasenparterre nördlich des Schlosses. Weitere Gartenfiguren gab Fürstbischof Clemens August von Wittelsbach  später bei Gröningers Sohn und bei Hendrik Ansum aus Münster in Auftrag. Diese Skulpturen stellen vor allem mythologische Götter und Helden sowie die Tages- und Jahreszeiten dar.

Leider ohne die zahlreichen Figuren zeigt ein Stich aus der Mitte des 18. Jahrhunderts den Garten: Zu erkennen sind ein Broderie-Parterre mit ornamental gepflanzten Buchsbäumen in der Nähe des Schlosses sowie ein weiter entferntes englisches Rasenparterre mit zentraler Rasenbahn – dem Tapis-vert – um den Blick in die Ferne zu lenken. In die Parterres eingefügt waren jeweils ein zentraler und zwei rahmende Springbrunnen.

Die noch fehlende Verbindung zwischen Schloss und Garten plante der bekannte Baumeister Johann Conrad Schlaun in den 1760er-Jahren. Er schuf einen weiteren verzierten Mittelrisalit und von einer Terrasse ließ er eine Treppe mit Vasen-Geländer bis an den Wassergraben führen. Dort wollte Schlaun eine Brücke bauen, aber der damalige Schlossbesitzer scheute die hohen Kosten, weil er sich nicht dauerhaft in Ahaus aufhielt. Als Kompromiss entwarf Schlaun eine demontierbare Schiffbrücke, die im Marstall gelagert wurde.

Auch die Fasanerie, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus dem Tiergarten am Schloss Sassenberg nach Ahaus verlegt wurde, gestaltete der Baumeister um. In der Südwestecke des Gartens zeugt noch heute ein Tor vom 1769 erneuerten Fasanengarten, der von hohen Mauern umgeben war und neben dem Fasanenhaus auch zahlreiche Bäume und Skulpturen enthielt.

Die Säkularisation und die folgende französische Besatzung beendete die Glanzzeit von Schloss Ahaus: Das Schloss wurde 1803 den Fürsten Salm-Kyrburg zugewiesen. Ab 1811 besetzte Frankreich die Region und quartierte seine Truppen im Schloss ein. Während dieser Zeit wurden im Garten zahlreiche Bäume für Brennholz gefällt und die Skulpturen überwiegend an Adelshäuser in der Umgebung verkauft. Auch die Gartengebäude wurden abgerissen, weil man den Garten in Parzellen an die Ahauser Bürger veräußerte.

Schließlich übernahm der niederländische Tabakfabrikant Hermann Oldenkott die Anlage und richtete im rechten Flügel seine Fabrik ein, während die Familie im linken Flügel wohnte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts erwarb Oldenkott die Gartenteile zurück und nutzte das Areal bis in die 1930er-Jahre als landschaftlichen Park mit Lindenrondell, Philosophenhügel und Teehaus.

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