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Historischer Tiergarten Sassenberg

Als eine der wenigen noch gut erhaltenen und schon im 17. Jahrhundert gestalteten Anlagen ist der Sassenberger Tiergarten ein Beleg für die Geschichte des Jagdwesens und der historischen Garten- und Landschaftsgestaltung. Seinerzeit diente der Tiergarten als Jagdrevier für den Fürstbischof. Der Tiergarten gehörte ursprünglich zum Schloss Sassenberg, das als Residenzschloss jedoch nie vollendet wurde. 

Große Teile des Tiergartens in Sassenberg werden heute als land- und forstwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet oder sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Wesentliche Gestaltungsmerkmale des Tiergartens sind gut erhalten geblieben und haben als eines der wenigen Zeugnisse der einstigen fürstbischöflichen Residenz in Sassenberg auch eine große kulturhistorische Bedeutung.
In Verbindung mit einem Sport- und einem Schützenplatz ist der Sassenberger Brook (Bruch) ein beliebtes Freizeit- und Naherholungsgebiet nicht nur für die ortsansässige Bevölkerung. Um die Anlage zu erkunden, bietet sich ein Spaziergang an. Er beginnt gegenüber der Kirche des Ortes und führt durch die Brookstraße zur Grundschule, die sich auf der Fläche des ehemaligen Küchengartens der Residenz befindet. Vorbei an einem alten Gräftenarm geht der Weg weiter bis zur Zufahrt der versteckt liegenden Villa Rath.

Die repräsentative Villa errichtete Christian Rath um 1910 auf der Fläche des ehemaligen Fürstengartens. Kurz hinter dem Schützenplatz und jenseits des schmalen Grabens mit einem Steg ist noch die Anhöhe des Schneckenberges der barocken Gartenanlagen sichtbar. Von dieser Stelle nahmen einst die langen geraden Alleen des Tiergartens ihren Ausgang. Beim Gang über die Hesselbrücke und im weiteren Verlauf des Weges entlang des Flüsschens kommt man an einer Wiese vorbei, auf der als botanische Besonderheit im Frühjahr zahlreiche Schachbrettblumen blühen und die Wiese mit einem bunten Teppich bedecken.

Zurück führt der Spaziergang über den Hesselsteg und hinein in den Tiergarten, wo noch ein ausgedehntes Wassergrabensystem erkennbar ist, das zu den Überresten eines Entenfangs gehört. Die sogenannte Entenkoje hatte an jeder Ecke typisch hornförmig gebogene Kanäle, in deren äußeren Spitzen, den sogenannten Fangpfeifen, im Herbst die durch Futter und zahme Enten angelockten Wildenten mit Netzen gefangen wurden.

Mitten im Wald ist auch noch das durch einen rechteckigen Wall und Wassergraben umgrenzte große Gehege der ehemaligen Fasanerie zu sichtbar. Einst wurden hier zahlreiche Pfauen und Fasanen zur Jagd und zur Bereicherung der fürstbischöflichen Speisetafel gehalten. Als einer der zentralen Jagdachsen führt ein langer Weg in Nord-Süd-Richtung direkt auf den Kaninchenberg zu. Die Anhöhe gehört zu ursprünglich insgesamt fünf Aussichtshügeln im Tiergarten, die als point de vue die Endpunkte der doppel- und vierreihig bepflanzten Alleen markierten.

Sassenberg war vom Mittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein Standort einer befestigten Landesburg des Fürstbistums Münster. Im 17. Jahrhundert residierte hier der mächte und kriegerische Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen. Er ließ die Burg zu einer imposanten Residenz ausbauen, zu der auch die kunstvollen Gärten und der ausgedehnte Tiergarten gehörten. Unter dem baufreudigen Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg wurde ab 1695 mit dem Bau eines neuen Residenzschlosses begonnen. Zur Ausführung gelangte aber nur die großzügige Vorburg. Fürstbischof Clemens August von Bayern ließ sie 1721 nach Plänen des westfälischen Barockbaumeisters Gottfried Laurenz Pictorius zu Wohnzwecken ausbauen. Im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts verloren die Fürstbischöfe dann aber immer mehr das Interesse an der Residenz in Sassenberg.
Durch die industrielle Nutzung des Geländes im 19. Jahrhundert und die Errichtung von Fabrikationsbauten ist heute von der einstigen Bedeutung der bischöflichen Residenz nur noch wenig zu erkennen. Neben dem umgebauten Teil der barocken Vorburg haben sich auf dem Fabrikgelände nur noch einige Gräben und Teiche als Reste des einstmals ausgedehnten Gräftensystems der Residenz erhalten. Auch die repräsentativen barocken Gärten des 18. Jahrhunderts sind vollkommen verloren gegangen.

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