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Botanischer Garten und Schlossgarten in Münster

Ganzjährig kann der Botanische Garten Münster mit seinen Heide- und Moorlandschaften, Bauerngärten und dem bereits Anfang des 19. Jahrhunderts angelegten Alpinum besucht werden. Die botanische Vielfalt in dem 4,6 Hektar großen Garten ist mit rund 8.000 verschiedenen Pflanzenarten groß. Die Besucher erwarten neben den pflanzensystematischen Bereichen und Sammlungsgärten auch zahlreiche Laubgehölze, Koniferen und Rhododendren. Mit allen Sinnen wahrnehmen kann der Besucher die botanische Vielfalt vor allem im Riech- und Tastgarten, der nach der Theorie von Hugo Kükelhaus geschaffen wurde. Neben diesen Bereichen im Freien sind auch sechs der zehn Gewächshäuser für die Öffentlichkeit als Schauhäuser zugänglich.

Der Botanische Garten war in seiner ursprünglichen Form Teil der Schlossanlage Münster, die 1787 nach fast zwanzigjähriger Bauzeit als letzte große barocke Residenz Deutschlands entstanden ist. Bauherr war Fürstbischof Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels, die Pläne stammen von Johann Conrad Schlaun.

Eng mit der Geschichte der Residenz und ihrer Bewohner war die Entwicklung des mehr als 14 Hektar großen Schlossgartens verknüpft. Schlaun plante den Garten als eine geometrische Anlage nach französischen Idealvorstellungen. In den 1780er Jahren konnte aus Kostengründen nur ein Teil des Plans umgesetzt werden: Das zentrale Wasserbecken wurde angelegt und die äußeren umlaufenden Alleen wurden gepflanzt. Die verbleibenden Bereiche wurden als Waldboskett, dies sind ästhetisch gestaltete Waldbereiche mit geschwungenen Wegen, angelegt. Bald nach seiner Fertigstellung wurde der Garten 1788 für die Bürger geöffnet.
Auf Anregung des Oberpräsidenten von Westfalen, Freiherr vom Stein, begann man ab 1803 – Münster gehörte nun zum preußischen Königreich – im Bereich des barocken Parterres mit der Anlage eines Botanischen Gartens. An der Gartenseite des Schlosses wurde als Arboretum eine landschaftliche Partie gestaltet, die in einen Bereich mit verschiedenen Beeten für die systematische Pflanzensammlung und spezielle Sammlungsgärten überging. Der älteste heute noch vorhandene Sammlungsgarten ist das 1823 angelegte Alpinum.

Seit der Anlage des Botanischen Gartens wurde immer darauf geachtet, dass der freie Durchblick entlang der zentralen barocken Achse auf das Schloss erhalten blieb. Die 1840 errichtete Orangerie zählt heute in Deutschland zu den wenigen Beispielen dieses Bautyps aus der Zeit des Klassizismus.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der fast zehn Hektar große Bereich des Schlossgartens, der nicht zum botanischen Garten gehörte, auf Anordnung des preußischen Königs in einen Landschaftsgarten umgestaltet. An diesen Maßnahmen waren zwei prominente Gartengestalter des 19. Jahrhunderts beteiligt: Peter Joseph Lenné und Joseph Clemens Weyhe.

Nach Weyhes Vorschlägen aus dem Jahre 1855 wurde das Arboretum des Botanischen Gartens in die angrenzenden Bereiche des Schlossgartens mit einbezogen, die Wegführung überarbeitet und durch Verpflanzen einzelner Gehölze wurden bessere Sichtachsen, auch in die freie Landschaft, geschaffen. 1860 waren die Maßnahmen abgeschlossen, aber die nachfolgende Pflege beschränkte sich auf ein Minimum.

Im Gegensatz dazu erfreute sich der Botanische Garten intensiver Zuwendung: Neben dem Bau weiterer Gewächshäuser legte man 1872 im zentralen Teich eine Insel an. Im 19. Jahrhundert war der Botanische Garten dann der Medizinischen Fakultät angegliedert und hält seitdem für die angehenden Mediziner Anschauungsmaterialien für die Heilpflanzenkunde bereit. Gleichzeitig zeigt der Garten bis heute die exotische Pflanzenwelt ferner Länder und erfüllt mit zahlreichen Führungen und Veranstaltungen seinen Bildungsauftrag.

Von den schweren Zerstörungen des Schlosses im Zweiten Weltkrieg waren auch die Gartenanlagen betroffen. Beim Wiederaufbau des Botanischen Gartens hat man die alte Größe von 4,6 Hektar und die Grundkonzeption der Sammlungen erhalten. 2003 wurde das 200-jährige Jubiläum der Gründung des Botanischen Gartens gefeiert.

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